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Rede zu: TOP 14 Schulentwicklungsplan 2024, Umwandlung der JKG

Sven Hermens

Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren, liebe ZuschauerInnen und liebe Angehörige der JKG,

 

die Argumente und Meinungen aller Parteien und Fraktionen sind mittlerweile gründlich ausdiskutiert und ja auch noch einmal sehr anschaulich gegenübergestellt worden von Zukunft Bottrop.

 

Deshalb möchte ich mich nicht wiederholen und stattdessen einige Dinge ansprechen, die meiner Meinung nach in der Debatte bisher zu kurz gekommen sind.

Dazu gehört allem voran der Dank an alle SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern, die so mutig und unermüdlich gegen alle Widerstände für den Erhalt ihrer Schule gekämpft haben. Alle hier haben euch gesehen und gehört und jeder weiß, dass dieser Beschluss hier heute nicht mit euch oder für euch, sondern gegen euren Widerstand beschlossen wird.

Für Die Linke ist ganz klar: Ihr habt die besseren Argumente, die JKG ist eine gute Schule und sie muss als Gesamtschule erhalten bleiben. Diejenigen, die diesen Beschluss befürworten, haben bis heute keinen einzigen Kritiker der Umwandlung durch gute Argumente überzeugen können.

Ganz im Gegenteil: Sie verlieren mit Grünen und ÖDP noch ehemalige Unterstützer, die sich mittlerweile auch fragen, wozu sie damals eigentlich zugestimmt haben. Und ich finde es schade, dass Grüne und ÖDP sich erst so spät dazu entschlossen haben, ihren Standpunkt zu ändern. Weil das bis dahin natürlich dazu beigetragen hat, dem sogenannten Schulkompromiss mehr und breitere Akzeptanz zuzusprechen. 

Andererseits gehört auch einiges dazu, in der Politik einen Fehler zuzugeben und seine Position zu ändern. Und genau dazu haben sich SPD und CDU leider nicht durchringen können. Dabei liefert ihnen das 19. Schulrechtsänderungsgesetz sogar einen perfekten, gesichtswahrenden Ausstieg aus dieser Nummer.

Die richtige Entscheidung wäre, diese Gesetzesänderung abzuwarten und alles dafür zu geben, dass die JKG als Gesamtschule erhalten bleiben kann. Doch dann bliebe immer noch die Oberstufe, die ja auch zu wenige Anmeldungen hat. Das hört sich bei den Befürwortern der Umwandlung immer so an, als wäre das ein Naturgesetz, dass es an der JKG immer zu wenige Oberstufenschüler gibt.

Drei Gedanken dazu, wie man dem begegnen kann:

  • Erstens: Lassen Sie uns die Schule grundsätzlich in ihrer Attraktivität aufwerten und für insgesamt mehr Anmeldungen sorgen.
  • Zweitens: Steuern wir gezielt Anmeldungen von SuS mit Gymnasialempfehlung in Klasse 5 zur JKG, anstatt an den Gymnasien immer weitere Mehrhklassen zu bilden. Auch das führt zu mehr SuS in der Oberstufe.
  • Drittens: Unabhängig von der Schulform der JKG brauchen wir nach wie vor eine neue Gesamtschule am Standort Welheim. Übrigens als eine dritte Gesamtschule, nicht als zweite. Auch diese würde absehbar keine besonders überfüllte Oberstufe haben. Warum dann nicht in der Sek II eine Kooperation bzw. eine gemeinsame Oberstufe dieser beiden kleineren Gesamtschulen bilden?

Und überhaupt sind kleine Jahrgangsstufen und Kurse höchstens ein formales Problem. Da kann man formal drauf rumreiten. Andererseits könnte man auch die Vorteile kleinerer Systeme hervorheben und sich für die Kinder freuen, die in kleineren Klassen lernen können, was nachweislich Vorteile mit sich bringt. Doch stattdessen nun die Entscheidung zur Umwandlung der JKG in eine Sekundarschule. Und das ist definitiv eine Abwertung.

In allen unseren Nachbarkommunen werden neue Gesamtschulen errichtet, weil das längere gemeinsame Lernen zum einen unbestreitbare pädagogische Vorteile hat, zum anderen weil diese Schulform auch gut nachgefragt wird. Aus gutem Grund hat noch nie eine Kommune eine Gesamtschule zu einer Sekundarschule umgewandelt. Weil das ein bildungspolitischer Irrweg ist. Und Bottrop sollte hier keinen unrühmlichen Präzedenzfall schaffen, den andere Kommunen vielleicht noch nachahmen. Warum handelt es sich um eine Abwertung? Die JKG verliert dadurch ihre Oberstufe. Das bedeutet weniger langes gemeinsames Lernen und einen notwendigen Schulwechsel für das Abitur, was dazu führen wird, dass viele SchülerInnen, die sonst an der JKG ein Abitur hätten machen können, diese extra Hürde nicht überwinden werden und den ersten Bildungsweg ohne Abitur verlassen.

Diesen Kollateralschaden an der Bildungsgerechtigkeit dürfen wir auf gar keinen Fall in Kauf nehmen. Dazu kommt für die SchülerInnen, die jetzt an der JKG unterrichtet werden, dass sie ihre Schulleitung und einen großen Teil ihrer Lehrer und damit Bezugspersonen verlieren werden.

Davon mal abgesehen, dass sie gegen ihren Willen von Gesamtschülern zu Sekundarschülern werden. Das stört mich ohnehin an dieser gesamten Debatte. Immer wird hier von allen Seiten der Elternwille hochgehalten. Dabei geht es aber immer nur um den Willen von Eltern, die theoretisch in der Zukunft ihre Kinder in der 5. Klasse anmelden werden. Nie geht es um den Willen der Eltern und der Kinder, die sich bereits bewusst für die Schulform Gesamtschule und für die JKG entschieden haben. Der reale Elternwille derjenigen, die hier jetzt auch im Raum die Debatte verfolgen, weil sie sich für ihre Kinder den Fortbestand der JKG als Gesamtschule wünschen. Dass es nicht mal ein Auslaufen der Schulform geben soll, sondern die Kinder unfreiwillig zu SekundarschülerInnen gemacht werden, ist falsch.

Dann obendrein noch die sofortige Vollziehung zu beschließen, ist hoch unvernünftig. Denn wie schon gesagt, hat noch nie jemand eine Gesamtschule zu einer Sekundarschule umgewandelt. Klagen dagegen sind bereits angekündigt oder laufen schon. Wenn man solches Neuland betritt, dazu noch im Wissen, dass sich die rechtliche Grundlage dafür bald ändern wird, dann muss man auch die folgenden juristischen Klärungen abwarten, bevor man Fakten schafft. Denn selbst wenn Gerichte in vielen Jahren entscheiden, dass die Umwandlung so nicht hätte vonstattengehen dürfen, wäre der Schaden bereits angerichtet und unumkehrbar.

Es ist nicht richtig, in Bottrop nur noch eine Gesamtschule zu haben. Wir brauchen drei Gesamtschulen und die JKG muss eine davon sein! Dieser Beschluss bestraft übrigens auch Opfer von Mobbing. Wenn Sie sich vorstellen, ihr Kind geht an die einzige verbleibende Gesamtschule und muss wegen Mobbings die Schule wechseln: Ihnen bleibt nur die Wahl zwischen dem Weg in eine andere Stadt oder dem Wechsel der Schulform. Völlig unverschuldet. Auch das ist vielleicht etwas, das in so einer Debatte zu wenig bedacht wird.

Für Die Linke ist klar: Gemeinsames Lernen, möglichst von der Einschulung bis zum Abitur, ist der wichtigste Bestandteil für gerechte Bildung. Gesamtschulen wollen wir daher fördern und nicht schließen. Und wenn wir eine Schulentwicklungsplanung im Sinne gerechter Bildung betreiben wollen, dann müssen wir über Stärkung und Aufwertung der Gesamtschulen reden. Wenn wir nachhaltige Zukunftsperspektiven für den Standort der JKG diskutieren wollen, dann lassen Sie uns über eine Bewerbung für eine PRIMUS-Schule reden, natürlich mit angegliederter Oberstufe. Das wäre eine zukunftsgerichtete Aufwertung.

Aber ganz ehrlich: Am liebsten wäre mir, diese Debatte wird ein für alle Mal beendet und die JKG bleibt eine Gesamtschule, die ihre bisherige Arbeit so aufopferungsvoll fortsetzen kann wie bisher. Das wäre die Würdigung, die diese Schule jetzt von uns verdient hätte. Lassen Sie uns die JKG aufwerten. Warten wir das Ende der Aufwertungsmaßnahmen und die 19. Schulrechtsänderung ab und bewerten erst danach. Auch das hat diese von den Bauarbeiten gequälte Schule eigentlich verdient. 

Und zu guter Letzt: Wer glaubt, in der AfD einen Fürsprecher für gerechte Bildung gefunden zu haben, der irrt. Die AfD ist nicht nur in weiten Teilen rechtsextrem und verfassungsfeindlich, sie steht auch für ein Schulsystem, in dem Kinder mit Behinderung oder geflüchtete Kinder nicht Teil unserer Schulgemeinschaften werden. Sie steht für die massenhafte Abschiebung auch derjenigen, die sonst an der JKG und an anderen Schulen erfolgreich ihr Abitur machen. Sie steht dafür, Lehrkräfte zu denunzieren und politisch motiviert in Lehrpläne einzugreifen. Und vor allem steht sie für das dreigliedrige Schulsystem und gegen Chancengerechtigkeit in der Bildung. Im Gegensatz zur AfD, die verboten gehört, gehört die JKG dringend erhalten. Und kein fauler Kompromiss wird daran etwas ändern, dass die Umwandlung eine falsche Entscheidung ist, die die falschen trifft und kein einziges Problem löst.

Vielen Dank.

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