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8. EINE Schule für Alle!

Die Fundamente unseres heutigen dreigliedrigen Schulsystems wurden im 19. Jahrhundert gelegt:

Das Ziel dieses Systems bestand vor allem in der frühzeitigen Selektion und darin, die Klassen-schranken aufrecht zu erhalten: Arbeiterkinder gingen in die Volksschule, Kinder von Angestellten und kleinen Beamten in die Mittelschule und die „Elite“ schickte ihre Kinder aufs Gymnasium oder ins Inter-nat. Heraus kamen neue Arbeiterinnen und Arbeiter, kleine Angestellte und Beamte sowie eine neue „Elite“. Chancengleichheit sollte Bildung in Deutschland damals gar nicht leisten.

Grundlegendes hat sich daran bis heute nicht geändert. Der UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz schreibt, das dreigliedrige deutsche Schulsystem mit Haupt- und Realschule sowie Gymnasium be-nachteilige durch seine frühe Aufteilung Kinder aus armen Elternhäusern und aus Migrantenfamilien. Es wirke „extrem selektiv“ und diskriminiere Behinderte.

Dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien es im deutschen selektiven Schulsystem besonders schwer haben, es seltener aufs Gymnasium schaffen, häufiger die Schule abbrechen als andere Kin-der und in welchem Ausmaß gute Bildung von den Einkommensverhältnissen der Eltern abhängt, zei-gen immer wieder Studien von ernstzunehmenden Bildungsforschern. Zuletzt auch mal wieder die ak-tuelle Pisa-Studie.

 

Was wir nicht brauchen

sind Hauptschulen die von den Eltern kaum noch nachgefragt werden.

Die Einführung der „Sekundarschulen“ garantiert gemeinsames Lernen nur bis zur siebten Klasse und sie haben keine eigenen Oberstufen. Nach erfolgreichem Abschluss der Sekundarstufe I bleibt dann nur der Wechsel auf eine andere Schule. Damit dient sie nur der Selektion und wird von uns als einziger Partei in Bottrop abgelehnt.

Was wir auch nicht brauchen, sind die von der Schwarz-Gelben Landesregierung durch Wettbewerbsausschreibung eingeführten sogenannten „Talentschulen“, die nur einzelne wenige Schulformen mit personeller und materieller Begünstigung besser stellen. Davon gibt es in Bottrop zwei. Der Rest schaut buchstäblich in die Röhre. Hier findet Bildung nach dem Zufallsprinzip statt.

Worauf wir setzen

Wir setzen auf eine Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems. Für ein erfolgreiches Schulsystem nach skandinavischem Vorbild. Solange noch Sekundarstufe I-Klassen bestehen, setzt sich DIE LINKE für Oberstufenzentren ein, die mehrere Oberstufen vor Ort zusammenfassen. Diese könnten auch mit den Berufskolleg zusammenarbeiten, um weitere Qualitätssteigerungen und ein größeres Angebot zu erreichen.

Was wir brauchen

Wir brauchen eine Schule für alle. Eine Schule, in der nicht Fächer, sondern Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, in der Lehrerinnen und Lehrer auf Schüler eingehen können. Dazu werden nicht nur mehr Lehrkräfte benötigt, sondern auch eine Entlastung bei der Arbeitszeit.

Eine Schule mit kleineren Klassen, individueller Förderung und wo sich Spätentwickler entwickeln können.

Eine Schule, die die Verschiedenheit sowohl der Schüler und Schülerinnen als auch des Schulumfeldes berücksichtigt. Wo in der gesamten Schulzeit die Schwächeren von den Stärkeren profitieren können.

In der solidarisches Handeln vor Konkurrenzkampf geht. In der sich mehr Empathie gegenüber Menschen aus anderen Kulturen und sozial benachteiligten Menschen entwickeln kann. Und eine Schule, die nicht selektiert sondern auf ein gemeinsames langes Lernen setzt und jedem die gleichen Chancen und Möglichkeiten gibt.

Gesamtschulen könnten diese Ziele verwirklichen.

Wir brauchen EINE Schule für alle.

Deshalb ist es sinnvoll, die Schullandschaft in Alt-Bottrop im Bereich Sekundarstufe I und II zwei neu zu ordnen. Als erster Schritt sollten die beiden Realschulen im Bereich Innenstadt sowie die bisherige Hauptschule Welheim schnellstmöglich zu einer neuen Gesamtschule zusammengefasst werden. Dabei ist der Schulstandort Welheim in jeden Fall zu sichern.

Was das bringt?

  • eine qualitativ hochwertige Bildung für alle Kinder und Jugendlichen
  • Chancengleichheit
  • gesellschaftliche Teilhabe
  • Bekämpfung sozialer Ungleichheit

Als LINKE erachten wir eine gebührenfreie und qualitativ hochwertige Bildung aller Kinder und Jugendlichen als eine Selbstverständlichkeit. Das schließt auch unsere Forderung nach Einführung bzw. Fortführung von kostenlosem Essen in Schule und Kita für unsere Kinder ein. Gerade in Zeiten, in denen der Ganztag eine immer wichtigere Rolle spielt und unsere Kinder einen Großteil in Schule und Kita verbringen, sollten sie hier auch unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses gesund und hochwertig versorgt werden.

 

 

Inklusion

Inklusion ist die Aufgabe des gesamten Bildungssystems. Ziel ist das gleichberechtigte, selbstbestimmte, gemeinsame Lernen aller Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung.

Was muss dafür getan werden?

  • weiterhin besondere Unterstützung der inklusiv arbeitenden Schulen durch den Schulträger.
  • Erarbeitung einer Schulentwicklungsplanung unter Mitwirkung der Schulen.
  • Mehr Fortbildung für die Lehrkräfte.
  • Reduzierung der Klassenstärke, gerade im gemeinsamen Lernen.
  • Mehr Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung
  • Mehr Zeitressourcen für Absprachen und Vorbereitung des Unterrichts.

Schulgebäude bedarfsgerecht sanieren und modernisieren

Kinder brauchen Sonne, Luft und Freiraum für Bewegung, Kommunikation und Gestaltung in der gesamten Schule. Sie brauchen multifunktionale Räume, ausgestattet mit vielfältigen Materialien, so dass das Lernen an ihren Bedürfnissen ausgerichtet werden kann. Es muss Räume geben für kleinere und größere Lerngruppen, für Recherche, Forschung und Übung in Einzelarbeit, für die Arbeit an Projekten und Werkstücken sowie für Präsentationen auf einer Bühne für die ganze Schule. Dazu kommen moderne und gut ausgestattete Sporthallen und Schwimmbäder sowie zusätzliche Räume für die Inklusion. Auch für die interkulturelle Öffnung sind weitere Begegnungs- und Beratungsräume notwendig. Die digitale Infrastruktur ist auf den modernsten Stand auszubauen. DIE LINKE will diese Möglichkeiten bei Neubau, Sanierung und Modernisierung vorantreiben.

Bedauerlich ist, dass es bei Sanierungs- und Modernisierungsprojekten immer wieder zu Zeitverzögerungen kommt, die zusätzliche Kosten verursachen. Der Grund liegt im Personalmangel der Kommunalverwaltung. Seit Anfang der 2000-er Jahre wurden im Sparwahn, begleitet von sogenannten Beratungsfirmen, Investitionen heruntergefahren. Damit einher ging ein deutlicher Personalabbau auch in Bau- und Planungsämtern. Doch die Stellen sind nur schwer wieder zu besetzen. Bauingenieure sind rar und gehen zudem lieber in die boomende Bauwirtschaft als in die Verwaltung, weil dort besser bezahlt wird. Dieses Beispiel zeigt uns, welche Auswirkungen es hat, wenn man an der falschen Stelle spart. Irgendwann muss die Zeche bezahlt werden, verbunden mit höheren Kosten und einer Mehrbelastung des Haushalts.

Perspektiven nach der Schule

Trotz angeblichen Mangels an Bewerberinnen und Bewerbern suchen viele Jugendliche vergeblich einen Ausbildungsplatz. Vor Ort finden sie zudem sehr viele unterschiedliche Beratungsangebote, die teilweise eher verwirren als helfen. Das Beratungsangebot muss sich zuvorderst an den Interessen der Jugendlichen ausrichten, nicht an Institutionen bzw. Schulformen. Hier will linke Kommunalpolitik die kommunale Steuerung stärken: Berufskolleg, Arbeitsagentur, BiZ und kommunale Bildungsberatung sollen verknüpft werden, so dass Jugendliche einen zentralen Anlaufpunkt erhalten.

Weiterbildung

DIE LINKE setzt sich ein für eine öffentlich verantwortete und getragene Weiterbildung und einen Ausbau der Volkshochschulen, der örtlichen, wohnortnahen Zentren für Weiterbildung. Das Angebot muss alle Bildungsbereiche umfassen, auch wenn ein besonderes Augenmerk und besondere Förderung sich angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung richten muss auf die politische Bildung!

Auch aufsuchende Ansprache- und Motivierungsformen gehören zum Aufgabenkatalog. Andere Träger und Einrichtungen sollten dieses öffentliche Angebot ergänzen, nicht ersetzen. Abwertung und Bedeutungsverlust der Weiterbildung, ihre selektierte Ausrichtung und die ausufernde prekäre Beschäftigung dort müssen dringend geändert werden.

Schule in Corona-Zeiten

Infolge der Corona-Krise darf sich die Ungerechtigkeit im Bildungssystem nicht weiter verschärfen. Zusätzlichen Benachteiligungen muss daher materiell, finanziell und personell entgegengewirkt werden.

Kinder, die zu Hause keine oder wenig Hilfe bekommen, drohen hinter den anderen zurückzubleiben. Das muss verhindert werden! Schule zu Hause ist „Krisen-Beschulung“.

Die Wohnzimmer der Eltern sind keine idealen Lernorte. Schule braucht die Professionalität von Lehrkräften, Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen.

Wir fordern daher:

  • Das Anrecht auf einen eigenen häuslichen Rückzugsort für Schüler*innen muss in den Sozialgesetzen abgesichert werden, um die Bildungsbenachteiligung abzusenken.
  • Die Jobcenter sollen die digitale Lernteilhabe oder das häusliche Lernen durch internetfähige Geräte sicherstellen. Deshalb muss Menschen, die in SGB II-, SGB XII- oder AsylBLG-Bezug sind, Leistungen zum Kauf von Laptops oder Computern gewährt werden.
  • Jeder Haushalt hat ein Anrecht auf einen bezahlbaren und schnellen Breitbandinternet-Anschluss.
  • Es sind aus Gründen des Gesundheitsschutzes maximale Bildschirmzeiten beim Einsatz digitaler Technologien zu berücksichtigen.
  • Politik muss klarstellen, dass es im neuen Schuljahr keinen Regelbetrieb wie vor der Pandemie geben kann, sondern einen der Pandemie angepassten Schulbetrieb, der je nach Lage kurzfristig umorganisiert werden muss.
  • Die von der CDU/FDP-Landesregierung betriebenen häufigen kurzfristigen Richtungsänderungen haben zu einem Vertrauensverlust geführt und müssen beendet werden.
  • Die Benotungen von Aufgaben, die in Heimarbeit erledigt werden, sind auszusetzen, um so den bestehenden Druck für Schüler*innen und ihre Familie abzumildern.
  • Prüfungen sollen erst stattfinden, wenn der Gesundheitsschutz für Prüflinge und Prüfende gewährleistet ist. Dabei bedarf es einer bundesweiten Regelung, um Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit sicherzustellen.
  • Ist es aufgrund der Krisenlage nicht möglich, Prüfungen stattfinden zu lassen, sollen die Noten für den Abschluss der allgemeinen Hochschulreife aus den Noten der letzten vier Semester der gymnasialen Oberstufe berechnet werden.
  • Der Abschluss der mittleren Reife sollte dann ebenfalls auf der Grundlage der erbrachten Leistungen im 10. Schuljahr anerkannt werden.
  • Zur Eindämmung der Pandemie ist weiterhin das Konzept, das auf Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften beruht, einzuhalten.
  • Lehrkräfte und sozialpädagogische Mitarbeitende so wie Schüler*innen, die selbst zur Risikogruppe gehören, oder mit Personen in einem Haushalt wohnen, die zu einer Risikogruppe gehören, müssen weiterhin vom Präsenzunterricht freigestellt werden.
  • Politik muss sich um die Einbindung von zusätzlichem Personal kümmern, weil bis zu 20 % der Lehrkräfte zur Risikogruppe zählen und für den Unterricht ausfallen können.
  • In Israel hat sich gezeigt, dass Schulen zur Hauptinfektionsquelle werden können. Daher favorisiert DIE LINKE das Konzept, dass alle Beschäftigten in Schulen, die dies wünschen, sich mindestens einmal pro Woche kostenlos auf eine Corona-Infektion testen lassen können. Gleiches gilt auch für Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien.