Linke gegen Umwandlung der JKG: Aufwertung statt Abwertung!
Die Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Bottrop lehnt die geplante Umwandlung der
Janusz-Korczak-Gesamtschule (JKG) in eine Sekundarschule entschieden ab. Eine
geplante Gesetzesänderung könnte den Fortbestand der Schule sichern. Jetzt
vorschnelle Fakten zu schaffen, wäre höchst unanständig, findet Die Linke.
Das geplante Gesetz sieht vor, dass der Fortbestand einer Schule künftig auch anhand der Schülerzahlen in Jahrgangsstufe 7 und nicht mehr nur nach den Anmeldezahlen für Jahrgangsstufe 5 beurteilt werden kann. Genau das ist die Schwachstelle, an der die JKG formal scheitert: Während sich viele Schülerinnen und Schüler erst ab Klasse 7 über Schulformwechsel an der JKG einschreiben und die Jahrgänge dort tatsächlich gut gefüllt sind, gelten die Anmeldezahlen für Klasse 5 als zu gering.
„Wer jetzt eine Umwandlung beschließt, obwohl er weiß, dass sich die gesetzliche Grundlage in Kürze fundamental ändert, handelt nicht im Interesse der Schule, ihrer Schülerinnen und Schüler oder der Familien, sondern vielmehr auf deren Kosten", sagt Sven Hermens, Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat der Stadt Bottrop. „Das ist keine verantwortungsvolle Politik, das ist Aktionismus auf Kosten einer funktionierenden Schule."
Bauarbeiten sind das Problem, nicht die Schulform
Die Linke macht in ihrem Antrag gegen die Umwandlung deutlich, was die eigentliche Ursache der niedrigen Anmeldezahlen ist. Nicht die mangelnde Nachfrage nach der Schulform Gesamtschule, sondern die anhaltenden Beeinträchtigungen durch nicht abgeschlossene Bauarbeiten sind die größten Störfaktoren. Ein unattraktiver Schulhof, Lärm und nicht nutzbare Fachräume schrecken Eltern ab. Die Schulkonferenz der JKG hat diese Faktoren in einer Stellungnahme ebenso klar benannt.
„Es wäre absurd, eine Schule für Probleme zu bestrafen, die sie nicht selbst zu verantworten hat", so Hermens. „Die Lösung heißt: Bauarbeiten fertigstellen, Schulstandort attraktiv machen, die Debatte um eine Abwertung beenden und dann erst urteilen."
So noch nie in ganz NRW: Eine Gesamtschule wird zur Sekundarschule
Die Fraktion betont außerdem: Aus gutem Grund hat noch keine andere Kommune in NRW eine Gesamtschule in eine Sekundarschule umgewandelt. Üblicherweise ist der Werdegang umgekehrt. Schülerinnen und Schüler, die an der JKG als Gesamtschule erfolgreich ihren Abschluss gemacht hätten, müssten für die Oberstufe die Schule wechseln, eine Hürde, die nicht alle überwinden werden. Das ist ein konkreter Verlust an Bildungsgerechtigkeit.
Hinzu kommt: Große Teile von Kollegium und Schulleitung würden die Schule verlassen und der Schulstandort würde durch die anhaltende Unsicherheit noch weniger Anmeldungen verzeichnen. Die Abwandlung ist keine Lösung, sie ist eine selbsterfüllende Prophezeiung des Scheiterns.
„Wer für Chancengerechtigkeit eintritt, kann dieser Abwertung nicht zustimmen. Die JKG leistet hervorragende pädagogische Arbeit für Kinder, die anderswo im Schulsystem nicht dieselbe Förderung bekommen. Das verdient Unterstützung, keine Demontage", betont Hermens.
Alternative statt Abwertung: Die JKG als PRIMUS-Schule
Statt die JKG durch eine Abwandlung zu schwächen, sieht Die Linke in dem Schulstandort echtes Potenzial für eine große Aufwertung: die Umwandlung zur PRIMUS-Schule.
PRIMUS-Schulen ermöglichen gemeinsames Lernen von Jahrgang 1 bis 10 unter einem Dach. Die wissenschaftliche Begleitung der bestehenden fünf PRIMUS-Schulen in NRW fällt durchweg positiv aus. Die Nachfrage nach diesem Schulmodell ist stabil, und das pädagogische Konzept der JKG mit dem Fokus auf chancengerechter Förderung und gemeinsamem Lernen würde dazu hervorragend passen.
„Wenn schon über die Zukunft der JKG abseits der Schulform Gesamtschule geredet wird, dann reden wir doch besser über eine echte Perspektive, nicht über eine Rückstufung", sagt Melissa Gaus, Ratsfrau und Mitglied des Schulausschusses. „Die JKG wäre ein idealer Standort für einen PRIMUS-Schulversuch im Ruhrgebiet, dazu am besten mit angegliederter Oberstufe."
Die Fraktion beantragt deshalb, die Verwaltung zu beauftragen, gegenüber dem Schulministerium das Interesse der Stadt Bottrop an einem solchen Schulversuch zu bekunden und erste Gespräche mit Ministerium und Bezirksregierung aufzunehmen.”Wie auch immer sich die künftige Landesregierung zusammensetzen wird, sie soll wissen: Es gibt gute Standorte für weitere PRIMUS-Schulen in NRW und sie sind eine gute Alternative für Standorte wie die JKG, bei denen ansonsten über schmerzhafte Einschnitte diskutiert würde”, so Gaus.
