Rede: zur Büroeröffnung

Sven Hermens

Liebe Gäste,

 

mein Name ist Sven Hermens, ich bin Kreissprecher der Linken in Bottrop und Fraktionsvorsitzender der Linken im Bottroper Stadtrat. Und ich habe heute die Ehre, Sie und euch alle herzlich zur Eröffnung unseres neuen Linken Zentrums willkommen zu heißen.

Ganz besonders begrüße ich unseren Oberbürgermeister Matthias Buschfeld und möchte mich für die damit verbundene Wertschätzung für unsere Arbeit ausdrücklich bedanken. Nicht minder herzlich begrüße ich den Landessprecher der Linken NRW und den Sprecher der Landesgruppe unserer NRW-Abgeordneten im Bundestag, Sascha Wagner. Ich freue mich auch sehr, Uwe Foullong heute hier begrüßen zu dürfen, ohne den wir sicher heute nicht stehen würden. Der erste Bottroper Linke im Bundestag und kurzzeitig der einzige Bottroper im Bundestag. Uwe musste nun leider sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Für ihn ist Lizzy Schubert aus Düsseldorf nachgerückt. Lizzy muss sich für heute leider entschuldigen, da dey auf einer Delegationsreise in Südamerika ist und wir leider aufgrund von Schwachstellen im interkommunalen ÖPFV zwischen Bottrop und Ecuador eine Teilnahme nicht sicherstellen konnten. Wir werden aber nachher eine Videobotschaft von Lizzy sehen und hören.

Zu einem Wahlkreisbüro gehört auch eine Wahlkreismitarbeiterin: Emilia Streciwilk, die ich auch ganz herzlich begrüße, war hier hauptverantwortlich für den Umbau und die Renovierung. Ich begrüße auch alle unsere Genoss*innen aus dem Kreisverband Bottrop, unsere Ratsfraktion und alle aus unseren Nachbar-Kreisverbänden. Ein herzliches Willkommen an die Kolleg*innen der anderen demokratischen Parteien und Fraktionen in Bottrop. Und vor allem möchte ich noch unsere Nachbarinnen und Nachbarn aus der Hochstraße begrüßen. Willkommen in unseren neuen Räumlichkeiten und auf gute Nachbarschaft!

Jetzt öffnet auf Betreiben der Linken an einem Sonntag in der Hochstraße ein Ladenlokal, das stand sicher bei vielen hier nicht auf dem Bingo-Zettel für 2026. Aber wir wollten ganz bewusst insbesondere unseren Nachbarn aus den Geschäften der unteren Hochstraße die Möglichkeit geben, uns bei der Eröffnung zu besuchen. Freut mich, dass so viele von euch auch gekommen sind. Warum sind wir jetzt eigentlich hier? Vorher gab es uns zwei Querstraßen weiter in der Brauerstraße. Dort hatten wir zwei kleine Räume, die durchaus ausreichten für eine Ratsgruppe mit einem Mitarbeiter und dessen Arbeitsplatz sowie für Besprechungen mit 8 bis 10 Leuten. Und es gab wirklich viele Leute, mich eingeschlossen, die Ende 2024 geglaubt haben, wir würden als Linke 2025 nicht mehr in den Bundestag, auch nicht mehr in den Stadtrat einziehen und müssten auch dieses Büro aufgeben. Tatsächlich mussten wir es aber aufgeben, weil wir auf einmal etwas viel Größeres brauchten. Die Linke ist mit 64 Abgeordneten, davon unglaublichen 13 aus NRW, in den Bundestag eingezogen. Wir hatten mit UWE plötzlich den einzigen Bottroper MdB. Unsere Mitgliederzahl hat sich innerhalb eines Jahres von knapp über 20 auf über 80 mehr als verdreifacht, fast vervierfacht. Und dann sind wir noch mit unserem historisch besten Ergebnis erstmals in Fraktionsstärke in den Stadtrat eingezogen, haben zwei neue Bezirksvertreter in Mitte und sogar Kirchhellen und stellen mit Nicole noch ein Mitglied des Ruhrparlamentes aus Bottrop. Nun brauchen wir statt einem Arbeitsplatz drei Arbeitsplätze und natürlich einen viel größeren Besprechungsraum. 

Nach einer langen und teils ernüchternden Suche sind wir letztlich hier, mitten in der Innenstadt, gelandet. Ein halbes Jahr lang haben hier Hauptamtliche wie Emilia und Jonas (unser neuer Fraktionsgeschäftsführer) sich mit Problemen herumgeschlagen, die niemand für möglich gehalten hätte, um diese Renovierung zu ermöglichen. Von Wände einziehen, über Entsorgung von Deckenplatten, von Designfragen bis hin zu quälenden Stunden in Vodafone-Hotlines. Das verdient im Namen aller Beteiligten unseren größten Dank und größten Respekt. Nicht zu vergessen aber auch der wahnsinnige Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher, die hier geschleppt, gespachtelt, alte Tapete abgekratzt, neue Tapete gestrichen haben, die die Wände gestaltet haben, die Möbel zusammengeschraubt und natürlich geputzt haben wie die Wilden. Stellvertretend für auch alle, aber auch ganz besonders persönlich möchte ich dafür Tini hervorheben. Ohne deine Hilfe und deinen unermüdlichen Einsatz über sicher Hunderte Stunden hätten wir fast nichts von dem geschafft, was wir hier heute bewundern können.

Und was ist jetzt eigentlich ein Linkes Zentrum? Nun, ganz nüchtern betrachtet besteht es aus den Arbeitsbereichen unserer Ratsfraktion und des Bürger*innenbüros von Lizzy Schubert mit den beiden Büros links und rechts vom Eingang. Natürlich eine Toilette, eine Küche (die noch nicht ganz fertig ist) und ein kleines Lager. Die beiden Büros haben jeweils Öffnungszeiten, sodass hier montags bis freitags zu den üblichen Geschäftszeiten immer ein Ansprechpartner zu erreichen sein wird. Aber eben insbesondere der Veranstaltungsraum, in dem wir uns gerade befinden. Und dafür möchte ich euch jetzt gerne teasern, was wir hier so planen. Wie manche hier bereits wissen: Der Montag gehört selbstverständlich der Fraktion. Dienstags trifft sich hier der Kreisvorstand. Mittwochs gibt es immer ab 18 Uhr das offene Treffen der Linksjugend. Der Donnerstag bleibt vorerst noch geheim. Freitags gibt es hier nach wie vor vom Breisverband der Linken unsere bewährte kostenlose Sozialberatung mit Herrn Rechtsanwalt Stephan Urbach von 16 Uhr bis 18 Uhr. Erweitern werden wir den Freitag um das Format „Roter Freitag“. Das heißt, jeden Freitag ab 19 Uhr öffnen wir unsere Türen zum geselligen Beisammensein am Feierabend, völlig unkommerziell, nicht an die Partei gebunden und für alle Jugendlichen, Nachbarn etc. als niedrigschwelliger Treffpunkt in der Innenstadt offen. Einmal im Monat werden wir das noch untersetzen mit Programm. Sei es Kultur wie Lesungen oder Konzerte oder ein Slam oder natürlich politische Veranstaltungen mit Gästen wie zum Beispiel Uwe, Lizzy oder Sascha und noch ganz vielen anderen, die wir jetzt künftig hierhin einladen können. Wir beginnen am 20.03. mit dem Roten Freitag als offenem Format und am 27.03. lädt die Linksjugend am Roten Freitag zum Spieleabend ein. Damit noch nicht genug, wir starten auch ein offenes Frauen- und FLINTA*-Café mit dem ersten Termin am Donnerstag, dem 23.4. um 18 Uhr. Darüber hinaus wird Emilia vom Wahlkreisbüro demnächst unser Angebot an Sozialberatung zusätzlich zum Freitagstermin mit Anwalt ergänzen. Und wir planen, in Kürze auch eine regelmäßige Beratung zur Kriegsdienstverweigerung hier anzubieten.

Also haben wir diesen sich anbahnenden Leerstand von ehemals Secret Mode angemietet, viel Geld und noch viel mehr ehrenamtliche Arbeit hineingesteckt, um das Lokal hier aufzuwerten. Und wir haben den Anspruch, die Aufwertung und Belebung der Innenstadt durch Kultur und Treffpunkte für Jugendliche auch selbst in die Hand zu nehmen und unseren Teil dazu beizutragen. Nicht nur das, wir rücken auch noch näher in die Innenstadt und an viele Menschen in Bottrop heran. Wir sind noch präsenter, noch leichter anzusprechen, können noch viel transparenter über unsere Arbeit informieren und können nunmehr auch Formate des politischen Austauschs oder der politischen Bildung anbieten, die in unseren vorherigen kleinen Räumen nicht möglich gewesen wären. Das sind Möglichkeiten, die wir gerne nutzen, aber auch angesichts der rechtsradikalen Bedrohung in diesem Land in jedem Fall nutzen müssen, um für eine demokratische, antifaschistische und soziale Politik zu werben, die nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen wird.

Ich bin wirklich stolz auf das, was wir gemeinsam als Partei erreicht haben, aus welchen Abgründen wir im Resultat nun alles aufbauen und schaffen können. Ich bin dankbar für meine vielen tollen Genoss*innen wie Uwe, der in düstersten Zeiten für uns nicht aufgegeben hat, die Linke gestärkt hat und für uns angetreten ist. Ich bin dankbar für Lizzy, dey nach Uwes Ausscheiden das bereits geplante Bottroper Wahlkreisbüro mitsamt Personal übernommen hat. Ich bin den Beschäftigten unserer Ratsfraktion dankbar, dass sie diese Übergangszeiten des Umzugs ausgehalten haben, die fleißig angepackt haben. Ich bin Emilia sehr dankbar, die seit fast einem Jahr jetzt die Wahlkreisgeschäfte für Bottrop hier führt. Ich danke unseren Nachbarinnen und Nachbarn, die uns hier so freundlich aufgenommen haben. Und nochmals ein Dank an alle Ehrenamtler, die hier mit angepackt haben. Danke an die Mitglieder des Rates aus den anderen Fraktionen, die uns heute auch mit eurem Kommen eine kollegiale Würdigung unserer demokratischen Oppositionsarbeit entgegenbringt

Dieses neue Linke Zentrum ist DAS Zeichen für unsere Verankerung als politische Kraft in Bottrop. Mit der Bottroper Linken muss man rechnen: OB im Bundestag, im Stadtrat oder neuerdings auch bei jedem Gang durch die Bottroper Innenstadt. Womit nicht unbedingt zu rechnen war: Dass ein Oberbürgermeister, der einer anderen Partei angehört, uns die Wertschätzung erweist, einige, hoffentlich besonders freundliche, Worte zu unserer Eröffnungsfeier an uns zu richten. Auch wenn er sich nicht ganz so parteiisch für Die Linke freuen darf wie ich, übergebe ich dennoch gerne für ein Grußwort an unseren Oberbürgermeister Matthias Buschfeld. Schön, dass du da bist!